Du bist Europa: Zwei Planspiele zu Zukunftsfragen der EU

In den vergangenen Wochen konnten wir zwei eigens entwickelte Planspiele zur Europäischen Union (EU) erstmals in der Praxis erproben. Die Planspiele entstanden während eines Bildungsprojekts das politische Bildung, wissenschaftliche Perspektive und studentische Arbeit miteinander verbindet. Die Planspiele entstanden in Zusammenarbeit mit der Technischen Universität (TU) Dresden im Rahmen eines Seminars mit Studierenden und der Sächsischen Landeszentrale für politische Bildung (SLpB).
Planspiele können (europäische) Politik nicht nur erklären, sondern vor allem erfahrbar machen: Teilnehmende verhandeln und wägen Interessen ab, suchen Kompromisse und treffen gemeinsam Entscheidungen. Insgesamt nahmen an der erstmaligen Durchführung an zwei Terminen in Dresden über 200 Schüler:innen aus Ober- und Berufsschulen teil.
Während der Durchführung von Planspielen werden gleich mehrere Fähigkeiten gefördert:
- kritisches Denken,
- Argumentationsfähigkeit,
- Teamarbeit,
- demokratische Urteilsbildung,
- Perspektivwechsel,
- Kompromissfähigkeit,
- Verständnis für europäische Entscheidungsprozesse
Fotos SLpB/Clemens Lotze
Die thematische Ausrichtung der Planspiele vermittelt Teilnehmenden zudem, dass europäische Politik direkte Bezüge zu ihrem Alltag hat. Sie entwickeln eigene Vorschläge, vertreten ihre Interessen und arbeiten gemeinsam an tragfähigen Lösungen. Gefördert werden kritisches Denken, konstruktives Verhandeln in kontroversen Situationen und das begründete Vertreten eigener Positionen.
Entwicklungsprozess
Besonders wollen wir im Entwicklungsprozess der Planspiele die Arbeit der beteiligten Studierenden und Dozentin hervorheben. Im Rahmen eines Seminars an der TU Dresden in den Studiengängen Politik und Lehramt entwickelten sie Szenarien, Abläufe und Rollenkarten welche im späteren Verlauf durch den Input des EUROPE DIRECT Dresden und der SLpB genauer auf die Ziel- und Altersgruppen zugeschnitten wurden. So entstanden später die fertigen Planspiele. Diese Kooperation zeigt das Potenzial, das in der Zusammenarbeit zwischen Hochschule und politischer Bildung in der Praxis steckt. Studierende behandeln politische Bildung nicht nur theoretisch, sondern setzen sie konkret mit ihren Zielgruppen um. Sie erhalten Einblicke in Zielgruppenorientierung, Veranstaltungsplanung, Moderation und didaktische Umsetzung als Berufspraxis. Sie übernehmen Verantwortung für ein Projekt mit direkter Wirkung und Rückkopplung.
Fotos SLpB/Clemens Lotze
Eines der Planspiele fand dabei an einem besonderen Ort statt: Dem Festsaal der Dreikönigskirche Dresden. 1990 bis 1993 tagte hier der erste Sächsische Landtag nach der friedlichen Revolution und beschloss die sächsische Verfassung. Direkt unter dem Wandbild „Versöhnung“ von Werner Juza, das Themen wie Macht, Verantwortung, Konflikt, Hoffnung und Verständigung aufgreift, übernahmen die Schüler:innen selbst politische Rollen, handelten Kompromisse aus und suchten gemeinsame Lösungen für eine (fiktive) humanitäre Krise.
Beide Tage lieferten nicht nur einen Mehrwert zur Demokratiebildung der Schüler:innen, sondern wurde zusätzlich von unserem Workshop für Lehrkräfte flankiert. Dabei erhielten die Lehrkräfte Einblicke in die Methoden, Materialien und Einsatzmöglichkeiten politischer Simulationen im Unterricht.
Darüber hinaus wurden Möglichkeiten ausgetauscht, wie die Lehrkräfte von den Angeboten der beteiligten Kooperationspartner in ihrer Unterrichtsgestaltung profitieren können.
Die entstandenen Unterlagen zu den Planspielen, inkl. Rollenkarten werden frei zur Verfügung zu stehen, sodass auch andere Schulen und Bildungsträger sie nutzen und eigenständig durchführen können.
Fotos SLpB/Clemens Lotze
Zum Rückblick der SLpB als Blogbeitrag
Beschreibung und Download Planspielunterlagen:
“Europa im Ausnahmezustand: Ein Planspiel zu Migration und Krisenmanagement”
“Zwischen Klick und Kontrolle: Europa verhandelt digitale Regeln”