Tschechien hat gewählt! Was bedeutet das für Sachsen und Europa?

Nov. 20, 2025 | Allgemein, Veranstaltungen

©Anja Schneider

Tschechien hat gewählt! Was bedeutet das Ergebnis für Sachsen?

Wenige Wochen nach der Parlamentswahl am 3. und 4. Oktober 2025 trafen sich Expertinnen und Experten aus Tschechien und Sachsen in Dresden, um über die politischen Entwicklungen nach der Wahl zu diskutieren.

Die Ergebnisse haben das politische Kräfteverhältnis in Tschechien deutlich verschoben: Andrej Babiš und seine Partei ANO gingen mit rund 35 % als klare Sieger hervor und können voraussichtlich gemeinsam mit SPD (Svoboda a přímá demokracie) und AUTO (Motoristé sobě) eine neue Regierung bilden. Die bisherige liberale Koalition unter Petr Fiala verliert damit ihre Mehrheit.

Zentrale Themen der Diskussion

– Ausgangslage: Die Regierung Fiala stand wirtschaftlich massiv unter Druck. Viele Wahlversprechen konnten nicht gehalten werden.

– Wahlergebnis: Babiš gelang es erneut, Wählerinnen und Wähler aus verschiedenen Lagern zu mobilisieren – zulasten sowohl sozialdemokratischer als auch konservativer Kräfte.

– Politische Kultur: Die Polarisierung und Personalisierung des Wahlkampfs nahmen stark zu; klassische Links-Rechts-Grenzen verlieren weiter an Bedeutung.

– Regierungsbildung: Eine Koalition mit rechten Parteien wird erwartet – mit unklaren personellen Besetzungen und Risiken für Prag und Brüssel.

– Außenpolitik: Trotz euroskeptischer Töne sei – so die Expertinnen und Experten – kein EU- oder NATO-Austritt zu erwarten. Babiš dürfte jedoch versuchen, die Visegrád-Gruppe zu stärken.

– Deutsch-tschechische Beziehungen: Die Entwicklung wird in Deutschland aufmerksam beobachtet – auch mit Blick auf parallele politische Dynamiken in Ostdeutschland.

Stimmen vom Podium

Dr. Zuzana Lizcová: „Den Sieg von Babiš hat man schon vor vier Jahren erwartet.“

Petr Kolář: „Babiš hat allen alles versprochen – wie immer.“

Dr. Maik Herold: „Eine Regierung zusammen mit Rechtspopulisten ist auch in Ostdeutschland vorstellbar.“

Die Diskussion wurde moderiert von Josefina Ofner (Verbindungsbüro des Freistaates Sachsen in Prag) und Ivo Vacík (SLpB).

Im Anschluss luden SLpB, Verbindungsbüro Prag, EUROPE DIRECT Dresden und die Brücke/Most-Stiftung zu einem Get-together ein, um den Austausch zwischen Akteurinnen und Akteuren der sächsisch-tschechischen Zusammenarbeit zu vertiefen.